Lenzrosen
Ein Gastbeitrag von Ute Vorberger
Nachdem Meli in ihren Garten zwei meiner selbst gezogenen Lenzrosen übernommen hatte, bat sie mich, ob ich für ihren Blog etwas über diese eigenartigen Stauden schreiben könnte. Ich bin nämlich ganz großer Lenzrosen-Fan! Ab dem frühen Frühling schmücken sie meinen Garten mit 7-8 cm großen Blüten in weiß, rosa, violett oder gelb, mit oder ohne Muster, gefüllt oder ungefüllt.
LENZROSEN SIND KEINE CHRISTROSEN!
Jeder kennt wohl die Christ- oder Schneerose (Helleborus niger). Sie hat reinweiße, manchmal rosa Blüten und blüht um Weihnachten herum. Sie braucht einen kalk- und magnesiumhaltigen Boden, wie in ihrer gebirgigen Heimat. Sie wird zur Weihnachtszeit gern als Topfpflanze verkauft, fühlt sich aber In vielen Gärten wegen ihrer besonderen Ansprüche nicht recht wohl (so auch bei mir).
Die Lenzrose hingegen gedeiht in humosem Gartenboden problemlos. Sie blüht ab dem Vorfrühling in vielen Farben und Varietäten. Alle Lenzrosen sind nämlich Hybriden, also Kreuzungen, in ihnen steckt immer die Art Helleborus orientalis, aber auch viele der anderen Helleborus- Arten, die es auf dem Balkan und anderswo gibt. Diese Orientalis-Hybriden (Helleborus x orientalis) und ihre Nachkommen fallen immer wieder unterschiedlich aus.
Daher ein wichtiger Hinweis: Lenzrosen sollte man immer blühend kaufen, damit man weiß, wie die Blüte aussieht!
EIN UNGEWÖHNLICHER BLÜTENAUFBAU
ist allen Helleborus eigen. Der äußere Kranz der Blütenhülle wird nicht von Kronblättern, sondern von bunten Kelchblättern gebildet! Diese Hochblätter fallen dementsprechend auch nicht nach der Blüte ab, sondern vergrünen allmählich, tragen also zur Photosynthese bei. Die Kelchblätter hingegen sind zu Honigblättern (Nektarien) umgebildet. Es sind kleine tütenförmige Gebilde, die Insekten anlocken und nach der Bestäubung abfallen. Häufig bilden sie einen farblichen Kontrast zu den bunten Hochblättern, z.B. purpurfarben zu weiß. Sie stehen im Kreis um die zahlreichen Staubgefäße und die Stempel. Aus den befruchteten Stempeln entwickeln sich Balgfrüchte, die mit der Reifung austrocknen und sich dann öffnen.
VERMEHRUNG VON LENZROSEN
Aus den Balgfrüchten fallen schwarze, glänzende Samen. Auf einem zusagenden Standort wird man im Frühjahr (die Samen benötigen Frost) ganze Rasen von Jungpflanzen unter seinen Lenzrosen entdecken. Wenn man diese nun vorsichtig in Töpfchen umsetzt, weiterzieht und die Geduld bewahrt, kann man nach etwa drei Jahren die erste Blüte erwarten. Und die kann ganz anders aussehen als die Eltern! So habe ich z.B. von einer ungefüllten Mutterpflanze eine gefüllte Tochter erhalten. Gerade diese unerschöpfliche Vielfalt macht die Faszination der Lenzrosen aus.
Vor allem Geduld braucht man, wenn man Lenzrosen gezielt bestäubt, um das Aussehen der Tochtergeneration zu beeinflussen. Die reifen Samen muss man möglichst bald aussäen und dann bis zum Frühjahr warten. Dann geht es weiter mit der Anzucht über etwa drei Jahre. Erst dann wird man sehen, wie die „Kinder“ ausgefallen sind.
Die einfachste Form der Vermehrung hingegen, die Teilung, verträgt diese Staude nicht; darauf sollte man verzichten.
ANSPRÜCHE UND PFLEGE
Der Boden darf weder dauerhaft feucht noch sehr trocken und nährstoffarm sein – ein durchschnittlicher Gartenboden sollte es also sein. Lenzrosen lieben organischen Dünger. Ich verwöhne sie im Herbst mit Kompost, möglichst Laubkompost. Auch eine Schicht Hackschnitzel, vermengt mit Hornspänen, kommt gut an. Der Standort kann im Frühjahr sonnig sein, im Sommer eher halbschattig. Der Schatten von laubwerfenden Bäumen bietet sich an. Beachten sollte man, dass die Stauden im August ausreichend Feuchtigkeit erhalten, denn dann werden die Knospen für das nächste Jahr angelegt.
Eine wichtige Pflegemaßnahme ist das Abschneiden des alten Laubes im Winter. Die Blüten kommen so viel prächtiger zur Geltung, aber vor allem ist dies eine Schutzmaßnahme gegen die Schwarzfleckenkrankheit, eine Pilzerkrankung, die nur bei Helleborus auftritt. Auch im Jahresverlauf sollte man befallene Blätter immer sofort entfernen und im Biomüll (nicht im Kompost) entsorgen.
Wenn man für seine Staude einen guten Platz im Garten gefunden hat, sollte man sie nicht mehr umpflanzen. Die Lenzrose wird es mit üppigem Wachstum und vielen Blüten danken, und das häufig über Jahrzehnte!
Kombinieren lässt sich die Lenzrose gut mit anderen Frühjahrsblühern. Sie möchte sich aber ungestört ausbreiten. Im Sommer muss viel Platz sein für das üppige dunkelgrüne Laub. Bei mir erheben sich dann über dem Laub die Blüten der Türkenbundlilie – deren Zwiebeln stören die Lenzrosen nicht.
* Wer sich mit mir über die Lenzrosenvermehrung austauschen möchte oder weitere Fragen hat, kann das gerne tun. Ich freue mich! Kontakt wird hergestellt über https://www.instagram.com/melanie.dabelstein/







