Wespen und Pflanzenwespen

Alle Wespen gehören in die Ordnung der Hautflügler, wobei der Begriff Wespe rein umgangssprachlich genutzt wird. Die „Gartenwespen“ gehören zur Unterordnung der Taillenwespen (Apocrita), die zum Teil den Stechimmen (Aculeata) und zum Teil den Legimmen (Parasitica) zugeordnet werden können.

Stechimmen – Der Legebohrere ist zum Giftstachel umgebildet und ist üblicherweise nicht sichtbar. Männchen und Weibchen können an der Fühlerlänge unterschieden werden. Männchen haben 13 Fühlerglieder, die Weibchen nur 12.
Familien: Faltenwespen, Grabwespen, Wegwespen, Keulenwespen, Goldwespen, Rollwespen und auch die Ameisen!

Legimmen – Oft ist der Legebohrer deutlich vorstehend. Je kürzer der Legebohrer ist, desto besser kann er auch zu Verteidigung eingesetzt werden, d.h., Legimmen können ggfs. stechen.
Familien: Schlupfwespen, Brackwespen, Schmalbauchwespen, Erzwespen      

Familie der Faltenwespen (Vespidae)

Die Flügel der Faltenwespen sind in der Ruhelage längs gefaltet. Darauf ist die Bezeichnung zurückzuführen. Ein weiteres Erkennungsmerkmal sind die eingedellten bzw. nierenförmige Facettenaugen.
Zur Unterfamilie der Echten Wespen zählen die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) und die Deutsche Wespe (Vespula germanica) aus der Gattung Kurzkopfwespen (Vespula), die Mittlere Wespe oder Kleine Hornisse (Dolichovespula media) der Gattung Langkopfwespen (Dolichovespula) und die Hornisse (Vespa crabro) aus der Gattung Hornissen (Vespa).

Die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) lässt sich von der Deutschen Wespe (Vespula germanica) anhand der Gesichtszeichnung unterscheiden. Der senkrechte schwarze Strich, der sich nach unten hin verdickt, ist ein deutliches Erkennungsmerkmal. Oft werden die Nester unterirdisch in verlassenen Mäuselöchern gebaut. Daher auch die häufig genutzte Bezeichnung Erdwespen.
Die Hornisse (Vespa crabro) ist die größte hiesige Wespenart und nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt.

Unterfamilie Feldwespen (Polistinae). Die Haus-Feldwespe (Polistes dominula) ist gut an ihren langen Beinen zu erkennen, die beim Fliegen auffallend nach unten hängen. Sie werden zu den Nützlingen gezählt, da sie sich vorrangig räuberisch von anderen Insekten ernähren.

Unterfamilie Solitäre Faltenwespen (Eumeninae): Die Vierbindige Schönwespe (Euodynerus quadrifasciatus) fliegt von Mitte Mai bis Anfang August und ist in Mitteleuropa selten. Die Verzierte Schönwespe (Euodynerus notatus) und Euodynerus dantici sind ebenfalls eine besondere Beobachtung.
Frühe Lehmwespe (Ancistrocerus nigricornis) und andere Lehmwespen, die ich nicht näher bestimmen kann.
Töpferwespe (Eumenes spec.)

Familie der Grabwespen (Crabronidae)

Die Weibchen vom Bienenwolf (Philanthus triangulum) graben in tagelanger Arbeit eine Röhre in den Boden, die bis zu einem Meter lang sein kann und in Brutkammern endet. In diese werden gefangene und durch ein Gift gelähmte Honigbienen gebracht, die dem Bienenwolf-Nachwuchs als Ernährung dienen. Zur Konservierung werden die Bienen von der Bienenwölfin am ganzen Körper abgeleckt. Durch diese Prozedur verteilt sie auf der Biene eine antibotisch wirkende Substanz, die in ihren Antennen-Drüsen von dort lebenden Bakterien gebildet werden. Der gruselige Bienenwolf
Ähnlich verfahren die Heuschrecken-Sandwespe (Sphex funerarius) und der Stahlblaue Grillenjäger (Isodontia mexicana). Allerdings fangen sie, wie der Name schon sagt, Heuschrecken, und schleppen diese in ihre Brutröhre. Siehe auch Die Heuschrecken-Sandwespe.
Die Bienenjagende Knotenwespe (Cerceris rybyensis) hingegen jagt u.a. Furchenbienen und Sandbienen. Die Fünfbinden-Knotenwespe (Cerceris quinquefasciata) und die Sand-Knotenwespe (Cerceris arenaria) sind insbesondere auf Rüsselkäfer (Curculionidae) spezialisiert. Sie Sand-Knotenwespe (Cerceris arenaria) wiederum wird von der Sand-Goldwespe (Hedychrum nobile) parasitiert.
Die Großköpfige Grabwespe (Ectemnius cephalotes) ist auf Totholz angewiesen und gilt in Niedersachsen als selten.
Weitere Grabwespen: Grabwespe (Untergattung Ectemnius), Großäugiger Wanzenjäger (Astata boops), Blattlauswespe (Pemphredon spec.), Dicker Zikadenjäger (Harpactus tumidus)

Familie der Wegwespen (Pompilidae)

Bei den Tönnchenwegwespen (Auplopus carbonarius) sind die weiblichen Tiere komplett schwarz, die männlichen haben weiße Streifen neben den Augen. Die Weibchen der Tönnchenwegwespe bauen kleine tonnenförmige Brutzellen aus Lehm. Als Nahrung für ihre Larven jagen sie Spinnen, die sie dann für den Transport am Hinterleib packen.
Radnetzspinnenjagende Wegwespe (Caliadurgus fasciatellus)

Familie der Keulenwespen (Sapygidae)

Der Familienname der Keulenwespen geht auf die keulenartigen Fühler ihrer Arten zurück. Die Zehnpunkt-Keulenwespe (Sapygina decemguttata) ist dunkel gefärbt. An den Seiten der Rückenplatte befinden sich zehn kleine weiße Flecken. Die Zehnpunkt-Keulenwespe parasitiert die Gemeine Löcherbiene (Heriades truncorum). Die Larve tötet nach dem Schlüpfen zunächst die eigenen Artgenossen und anschließend die Nachkommen des Wirtes.

Familie der Goldwespen (Chrysididae)

Die Goldwespen (Chrysididae) fallen durch ihre wunderschöne metallisch-glänzende Färbung auf. Die Weibchen der Gemeinen Goldwespe oder Feuer-Goldwespe (Chrysis ignita) legen ihre Eier in Nester solitär lebender Bienen oder Wespen. Ihre Larve frisst zuerst die Wirtslarven und anschließend deren Vorräte. Die Bienenwolf-Goldwespe (Hedychrum rutilans) parasitiert in den Brutkammern des Bienenwolfs. Wo Bienenwölfe vorkommen, findet man auch die Bienen-Goldwespen. Edel-Sandgoldwespe (Holopyga generosa), Sand-Goldwespe (Hedychrum nobile), Goldwespe (Chrysis immaculata), Goldwespe (Chrysis terminata), Goldene Kerbgoldwespe (Pseudomalus auratus)

Familie der Rollwespen (Tiphiidae)

Die Gemeine Rollwespe (Tiphia femorata) parasitiert hauptsächlich die Larven vom Junikäfer (Amphimallon solstitiale). Die Junikäfer-Larven spürt die Rollwespe mithilfe ihres Geruchssinnes in der Erde auf. Sie gräbt sich dann zu ihrem Opfer vor und legt ein Ei an der Larve ab. Später ernährt sich die Rollwespen-Larve von der Junikäfer-Larve. Die erwachsenen Weibchen ernähren sich von Nektar und Pollen. Hierbei bevorzugen sie wegen ihrer kurzen Mundwerkzeuge Doldenblütler.

Familie der Ameisen (Formicidae)

Vermutlich wundert ihr euch, dass ihr die Ameisen (Formicidae) unter den Hautflügler (Hymenoptera) findet. Aber schaut euch doch einmal das Foto vom Hochzeitsflug an!

Überfamilie der Schlupfwespenartige (Ichneumonidae)

Die Familie der Schlupfwespen (Ichneumonidae) und die Familie der Brackwespen (Braconidae) gehören zu den Legimmen. Beide Familien zeichnen sich durch lange Fühler aus.

Familie der Brackwespen

Familie der Schmalbauchwespen (Gasteruptiidae)

Die Weibchen aus der Familie der Schmalbauchwespen (Gasteruptiidae) legen ihre Eier in die Bauten solitär lebender Bienenarten, die in Holz oder Pflanzen nisten. Der Deckel von verschlossenen Brutzellen wird mit dem Legebohrer durchbohrt.

Überfamilie der Erzwespen (Chalcidoidea)

Falten-Erzwespe (Leucospis dorsigera) am Insektenhotel. Sie gehört zu den Legimmen.

Mehr zur Falten-Erzwespe

Blattwespenartige (Tenthredinidae)

Die Blattwespen (Tenthredinidae) gehören zur Unterordnung der Pflanzenwespen (Symphyta). Ihnen fehlt die typische „Wespentaille“. Sie können nicht stechen. Ihre Larven erinnern sehr an Schmetterlingsraupen.
Kohlrüben-Blattwespe (Athalia rosae), Gelbe Rosen-Bürstenhornwespe (Arge ochropus), Gelbe Stachelbeer-Blattwespe (Euura ribesii), Echte Blattwespe (Aneugmenus spec.)